“Schule daheim”: Auch ARD reagiert auf anhaltenden Lockdown – ARD und ZDF lassen gemeinsames Bildungsportal vermissen

Einen Tag, nachdem die BBC angekündigt hat, angesichts der coronabedingten Schulschließungen massiv ihr TV-Bildungsangebot für Schüler*innen auszubauen, baut die ARD für die hiesige Entwicklung in der Sparte um:

Dass die BBC auch prominentere Sender wie BBC Two mit Bildungssendungen bespielt, dürfte damit zu tun haben, dass sie insgesamt deutlich weniger Kanäle betreibt als der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland. Die BBC hat kein eigenes lineares Bildungsprogramm.

Die neue Rolle von ARD-alpha könnte also auch eine Chance sein, um dieses Nischenangebot bekannter zu machen. Man darf gespannt sein, auf welchen Kanälen die ARD ihr Angebot bewirbt. Sie ist bisher etwa sehr sparsam damit gewesen, im Ersten auf anderes zu verweisen.

ARD-alpha ist der Bildungskanal der ARD, betrieben vom Bayerischen Rundfunk. Er ist flächendeckend im Kabelnetz, sowie über Satellit zu empfangen. Im digitalen Antennenfernsehen suchen ihn Zuschauende allerdings oft vergeblich. Er wird aber natürlich auch in der ARD-Mediathek gestreamt. ARD-alpha zeigt an den Vormittagen derzeit noch unter anderem Märchen im Doppelpack und Wiederholungen von Doku-Reihen wie der “Nordtour”.

Wie aus dem aktuellen KEF-Bericht hervorgeht, plant die ARD (wenn die Beitragserhöhung kommt) für ARD-alpha ein Budget von 55 Mio. Euro in der laufenden Beitragsperiode (2021-2024) – etwas mehr als für Tagesschau24 und One. Das ist zwar mehr als in den vier Jahren davor (47,9 Mio.), aber weniger als in der Periode 2013-2016 (56,9 Mio.).

Das ZDF hat zuletzt im November sein Angebot für Schüler*innen ausgebaut. Sowohl in seinem zu Corona aufgebauten Schulportal schule.zdf.de als auch auf Youtube hat der Mainzer Sender “Terra X plus Schule” gestartet. Auch die ARD hat eine Übersicht ihrer Angebote angelegt, zu denen neben dem BR vor allem WDR und SWR mit “Planet Schule” beitragen.

Die klare Schwäche der Bildungsangebote von ARD und ZDF ist, dass der einzige dezidiert ausgewiesene Bildungskanal nur ARD-Inhalte sendet. Eine Bündelung gerade im Digitalen (Stichwort: Mediatheken) wäre zweifellos Nutzer*innen-freundlicher.

Titelbild: “026/365 – addicted” by keirstenmarie is licensed under CC BY 2.0

Presseschau 6.1.2021: Schulfernsehen, Rundfunkbeitrag in Sachsen, Tagesschau-Quoten

BREAKING BBC:
“The BBC is to deliver the biggest education offer in its history across more of its platforms.”

14 Stunden nachdem Fernsehkritiker Scott Bryan diesen Tweet absetzte, hatte er bereits 13.000 Retweets und 66.000 “Gefällt mir”-Klicks gesammelt. Die BBC startet eine Offensive beim Schulfernsehen: Das Kinderprogramm CBBC wird jeden Tag drei Stunden für Grundschüler*innen senden. Dazu kommen auf BBC Two Inhalte für all die Schüler*innen, die für den GCSE-Abschluss büffeln, praktisch der Mittleren Reife. Die BBC versorgt sie mit zwei Stunden Programm, jeden Tag. “Die BBC liefert die größte Bildungsoffensive in ihrer Geschichte”, meldet die Anstalt selbst.

Diese Nachricht schwappte prompt auch nach Deutschland – und löste die Forderung aus, dass die hiesigen öffentlich-rechtlichen Sender nachziehen. So schrieb Dirk von Gehlen (“Süddeutsche Zeitung”):

Einzelne Kanäle der ARD wiesen sodann darauf hin, dass es auch hierzulande bereits im Frühjahr 2020 eine Offensive gab:

Neben Angeboten einzelner ARD-Sender bündelt tatsächlich auch die ARD-Mediathek entsprechende Angebote. Auch das ZDF hat ein “Virtuelles Klassenzimmer” gestartet. Allein: Ein opulentes, auch frisches Angebot im Fernsehen lassen die deutschen Öffentlich-Rechtlichen vermissen. Dabei, sagen Externe wie Mitarbeitende, wäre das eine Chance:

Wie so oft scheint im öffentlich-rechtlichen Kosmos vieles vorhanden zu sein, für manch einen aber zu versteckt. Jetzt, wo die Länder die Präsenz in den Schulen über weitere Wochen untersagen, wäre die Gelegenheit für eine koordinierte Aktion nun wirklich günstig, die auch die Kraft der Sender jenseits sportlicher Großereignisse oder Schirach-Projekte zeigt. Das würde offensichtlich auch den großen Kritikern der CDU gefallen, die bereits im Herbst 2020 gefordert haben: ARD und ZDF sollten “Bildungsangebote als wichtiges außerschulisches Instrument stärker nutzen”.

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“Wir haben nicht nur ‘abgenickt’, sondern stellen Bedingungen und fordern deutlich mehr Mitsprache”: Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) erklärt, warum im Dresdner Parlament – anders als in Magdeburg für Sachsen-Anhalt – mehrheitlich auch mit seiner Partei für die Erhöhung des Rundfunkbeitrags gestimmt wurde. Im Interview [€] mit Andreas Debski von der “Leipziger Volkszeitung” betont Rößler:

“Wir müssen zwingend über den Auftrag, die Struktur und die Beitragsstabilität der öffentlich-rechtlichen Sender reden. Die Debatte zum Medienstaatsvertrag in Sachsen-Anhalt hat Bewegung in die inhaltliche Diskussion gebracht, die wir mit den Sendern führen sollten und nicht gegeneinander.”

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Dass es dem Öffentlich-Rechtlichen im Allgemeinen nicht an Zuspruch mangelt, hat er nicht zuletzt der “Tagesschau” zu verdanken. Im Corona-Jahr 2020 schauten die “20 Uhr” im Schnitt 11,78 Millionen Zuschauer und damit fast zwei Millionen mehr als noch 2019, meldet etwa DWDL auf Basis des NDR und erklärt: Grob die Hälfte schaut im Ersten, grob die andere Hälfte in den Dritten oder auf 3sat, Phoenix oder Tagesschau24 zu. Der Marktanteil lag bei knapp 40 Prozent. Zum Vergleich: Die “19 Uhr” der “heute” im ZDF sahen 4,6 Millionen, “RTL aktuell” um 18.45 Uhr 3,2 Millionen Menschen. Die “Tagesschau” lag auch bei den Jungen und ganz Jungen (14-29 Jahren) vorn.